Universität Greifswald und Studierendenschaft engagieren sich für Flüchtlinge

„Welchen Artikel hat das Wort Lebensmittel?“, fragt der 26-jährige Hamit*. Seit einem halben Jahr ist er nun in Deutschland, hier möchte er studieren. Aus seinem eigenen Heimatland Syrien musste er fliehen. Derzeit lernt Hamit Deutsch. Er ist einer von 24 Teilnehmern am Deutschkurs, den die Universität Greifswald seit dem 30. November für studieninteressierte Flüchtlinge anbietet. Weiterhin wurden viele Angebote sowie Aktionen seitens der Universität Greifswald und des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) ins Leben gerufen, um zu helfen.

Viele Flüchtlinge besitzen eine Hochschulzugangsberechtigung und möchten in Deutschland studieren oder ein bereits aufgenommenes Studium weiterführen. Die Befürchtung, dass sie ohne die nötigen Dokumente kommen, die ihnen ein Studium in Deutschland ermöglichen, hat sich zum großen Teil nicht bestätigt. Die meisten Flüchtlinge besitzen zumindest Kopien oder haben Fotos ihrer Studiendokumente auf dem Smartphone. Für ein Studium in Deutschland müssen Studieninteressierte aus dem Ausland unter anderem hinreichende Deutschkenntnisse vorweisen. Sprachkenntnisse sind jedoch bisher kaum bis gar nicht vorhanden. Nun steht die Universität Greifswald vor der Herausforderung, den qualifizierten Studieninteressierten zügig diesen Einstieg ins Studium zu ermöglichen. „Das liegt im Interesse aller. Bundesland, Universitätsmedizin und Universität haben unter anderem in Gestalt von Sprachkursen und durch eine umfassende Beratung zum Studium und Zulassung erste Maßnahmen ergriffen. Diese Maßnahmen werden nicht die letzten sein, denn natürlich wollen wir auch zukünftig qualifizierte und engagierte Studierende aus anderen Teilen der Welt für unsere Studienprogramme gewinnen“, betont Prof. Dr. Micha Werner, Prorektor der Universität Greifswald.

Um Flüchtlinge für ein Studium zu interessieren, wurde an der Universität Greifswald bereits im Frühjahr 2015 die kostenlose Gasthörerschaft beschlossen. Interessierte Flüchtlinge können einen Antrag stellen und dann an einzelnen Lehrveranstaltungen teilnehmen. Die Universität Greifswald hat bisher über 100.000 Euro für die Maßnahmen zur Integration von Flüchtlingen aufgebracht. Vom Land bekommen die Hochschulen 2015 – 2017 jährlich mindestens 100.000 Euro für diese Maßnahmen. 2015 fielen auf die Universität Greifswald 30.000 Euro. So konnte unter anderem im International Office (IO) für ein Jahr die Stelle einer Koordinatorin für Flüchtlingsangelegenheiten geschaffen werden. Anne-Cathleen Klein bietet am Dienstag und Donnerstag Sprechstunden an, um die Studierwilligen zu beraten und zu unterstützen. Die meisten Interessierten haben Zeugnisse dabei, auch wenn diese oft nur kopiert oder eingescannt sind. „Die Dokumente überprüfen wir mithilfe eines Studierenden aus dem Jemen. Er ist auch zu einem wichtigen Ansprechpartner für neue Studierende geworden“, erklärt Anne-Cathleen Klein. Sie organisiert ebenfalls die Integrationsangebote des IO und arbeitet eng mit dem Lektorat Deutsch als Fremdsprache (DaF) zusammen. Der Deutschkurs wird vom Lektorat Deutsch als Fremdsprache angeboten, hierfür wurde eigens eine Stelle geschaffen. Derzeit werden 25 Plätze angeboten. „Wir versuchen unser Bestes die studieninteressierten Flüchtlinge so gut wie möglich zu integrieren und ihnen zu helfen. Ziel ist, die Kursteilnehmer zum nächsten Wintersemester den Studieneinstieg zu ermöglichen“, sagt Anne-Cathleen Klein.

Schon seit mehreren Jahren gibt es das Projekt Weltfreunde, damals wurde es vom AStA gegründet, um mit DaF-Studenten in der Gemeinschaftsunterkunft Deutschunterricht zu geben. „Seitdem die Zahl der Geflüchteten gestiegen ist und die Probleme von Geflüchteten stärker medial vermittelt werden, kommen die Studierenden auf uns zu und fragen, wo sie helfen können. Wir vermitteln Studierende dann an den Jugendmigrationsdienst, an die Grundschule Greif, die Schwalbe, zum Deutschunterricht in der Gemeinschaftsunterkunft und zur Betreuung des Spielzimmers dort. Gelegentlich verhelfen wir auch zu
Lernpartnerschaften“, berichtet Johanna Krone, Referentin für Internationales. In diesem Sommer konnte der AStA die Idee vom Interkulturellen Café umsetzen. Regelmäßig findet es im Jugendzentrum KLEX oder im Jugendfreizeitzentrum TAKT statt. „An einem Nachmittag haben wir bis zu 100 Besucher, die kommen, sich bei Kaffee und Kuchen austauschen, Kickern und Karten spielen. Man hört an diesen Nachmittagen viele Sprachen und viel Gelächter. Es ist eine ideale Plattform, um in lockerer Atmosphäre in Kontakt zu treten“, erzählt Johanna Krone. Das Projekt Weltfreunde ist außerdem Mitglied im Netzwerk Migration Vorpommern.

Der AStA und Ehrenamtliche packen Geschenke für Weihnachten im Flüchtlingsheim - Dieses Bild gehört zur Medieninformation "Universität Greifswald und Studierendenschaft engagieren sich für Flüchtlinge“ vom 17.12.2015.
Dieses Foto darf ausschließlich für redaktionelle Zwecke im Zusammenhang mit dieser Medieninformation kostenfrei verwendet werden. Dabei ist die Quelle des Fotos anzugeben.
Foto: AStA

In der Woche vor Weihnachten hat der AStA Weihnachtsfeiern in Flüchtlingsheimen organisiert. Also hieß es Päckchen packen. Dieses Jahr wurden 280 Päckchen geschnürt. „Am vergangenen Wochenende waren unglaublich viele Helfer beim Packen dabei. Das AStA-Büro hat sich in eine Weihnachts-mann-Packstation verwandelt. Wir sind sehr glücklich über all die tollen Sachspenden. Sogar Schlitten und Schaukelpferde waren dieses Jahr dabei“, sagt Jennifer Kahl, Referentin für Antirassismus und Integration von Asylsuchenden sowie Flüchtlingen. Bei Weihnachtsmusik, Tee und Kuchen wurde beisammengesessen. Auch der Weihnachtsmann kommt und überreicht die Geschenke. „Alle lieben es, Fotos mit dem Weihnachtsmann zu machen“, erzählt Jennifer Kahl.

Bereits am 5. Oktober 2015 gab es seitens der Universität und der Unimedizin einen gemeinsamen Aktionstag. Zusammen mit dem Integrationsbeauftragten des Landkreises Vorpommern-Greifswald, Herrn Al Najjar, Vereinen und Unterstützern wurde informiert, wo ehrenamtliche Helfer beispielsweise in der Betreuung von Flüchtlingen, beim Sprachunterricht oder für Patenschaften benötigt werden. Ebenso wurden an diesem Tag Sachspenden gesammelt. Viele freiwillige Helfer nahmen die vielen Spenden entgegen. So konnten am Ende des Tages mehrere Transporter mit Kleidung, Haushaltsmittel, Kinderwagen und Spielzeug befüllt werden.

Freiwillige Helfer am Aktionstag „Gemeinsam Helfen“ - Dieses Bild gehört zur Medieninformation "Universität Greifswald und Studierendenschaft engagieren sich für Flüchtlinge“ vom 17.12.2015.
Dieses Foto darf ausschließlich für redaktionelle Zwecke im Zusammenhang mit dieser Medieninformation kostenfrei verwendet werden. Dabei ist die Quelle des Fotos anzugeben.
Foto: Conny Eisfeld

Bei der Weihnachtsfeier des Instituts für Deutsche Philologie haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Versteigerung durchgeführt, durch die 220 Euro zusammengekommen sind. Dieses Geld wird für die Kursteilnehmer des Deutschkurses in Form von Schreibmaterial (Ordner, Hefter, Blöcke, Stifte…) gespendet. Auch der Hueber-Verlag hat einen nicht unerheblichen Teil der Lehrbücher kostenlos zur Verfügung gestellt.

Zurück zu Hamit. Gestern hat die dritte Woche des Deutschkurses begonnen. Heute spricht Tabea Reisdorf, die Lehrerin des Kurses, mit ihnen über Dinge, die wichtig sind. So lernen ihre Schüler verschiedene Wörter und Wortgruppen aus den Themenbereichen wie Lebensmittel, Kosmetik und Kleidung kennen. „Die Unterrichtssprache ist Deutsch, womit einige anfangs Probleme hatten, jetzt sind die meisten dafür sehr dankbar und fordern das jetzt auch ein“, erklärt Tabea Reisdorf. „Die Studierenden sind sehr motiviert und lernen offensichtlich auch zu Hause. Einige haben bereits Vorkenntnisse, andere nicht, sodass man die Niveaus noch angleichen muss. Wir arbeiten kontinuierlich mit unserem Lehrwerk. Die Progression ist somit relativ straff, was sich die Studierenden auch so wünschen, da sie gut aufs Studium vorbereitet werden wollen.“ Die Motivation der Studierenden ist zum Teil bestimmt der mitreißenden Art von Tabea Reisdorf zu verdanken, die mit viel Energie und Einfühlungsvermögen auf jeden Einzelnen von ihnen eingeht. „Ich bin sehr dankbar, dass dieser Kurs angeboten wird. Ich möchte zügig das Studium aufnehmen“, sagt Hamit.


*Der Name und das Alter wurden von der Pressestelle geändert.

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Jan Krause (LA Kunst)

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